Ich und Du und Wir

Wie selbstverliebt dürfen wir Männer sein?

Zu Beginn des Lebens, vielleicht schon vor der Geburt, tritt das "Ich" in intensive Beziehung zum "Du". Das kleine Kind braucht eine verlässliche Bezugsperson, meist ist es die Mutter, um sich entwickeln zu können, ja sogar, um überhaupt leben zu können.

Dann öffnet sich diese Zweierbeziehung zu einer weiteren Elternperson und schließlich hin zu verschiedenen Gruppen, zum "Wir". In der klassischen Psychoanalyse nennt man die Zeit dieses Entwicklungsschrittes die ödipale Phase und setzt sie um die Zeit des dritten bis fünften Lebensjahres an.
So einfach kann Entwicklungspsychologie sein. (Es geht aber auch ein wenig komplizierter...)

Mir ist aufgefallen, dass sich diese drei Kategorien: "Ich", "Du" und "Wir" gut in Beziehung setzen lassen zu verschiedenen Typen von Ringen.

Um mit dem "Wir" zu beginnen: Zugehörigkeit zu einer Gruppe wird traditionell über einen Siegelring ausgedrückt. Er trägt das Wappen der Familie und so wußte Mann und Frau bei der ersten Begrüßung gleich, wer zu wem gehörte (und wer sich vor wem zu verbeugen hatte). Leute, die ihren Stammbaum nicht kennen oder keinen haben, können  dann noch ersatzweise auf die Tafel ihres Siegelringes die kunstvoll verschnörkelten Initialen ihres Namens eintragen lassen. Oder noch abstrakter einfach einen Ring tragen mit einer glatten Tafel, für welche gerne Onyx oder Lapislazuli genommen wird, oder der so speziell rotgrün gepunktete Heliotrop (Blutjaspis).
In dieser Kategorie sehe ich auch die Ringe der Stundentenverbindungen und der Freimaurer.

Auf der Ebene der "Ich"-"Du"-Beziehung gibt es natürlich die Freundschaftsringe, oder auch Partnerschafts- und Eheringe. Sowohl für Männer wie für Frauen ist diese Sorte von Ringen selbstverständlich und geläufig.

Was aber ist mit den reinen Schmuckringen, den Ringen, die nur Ausdruck der eigenen Persönlichkeit sind? Ein Ring als "Ich"-Aussage? Ohne weitere Funktion?

Für Frauen ist es absolut gängig, sich zur Garderobe des Tages auch den passenden Schmuck zu wählen, sich den Ring auszusuchen, der ihrer momentanen oder längerfristigen Stimmung entspricht.

Und wir Männer? Dürfen wir uns in einem selbstgewählten Schmuckstück spiegeln? Kraft aus einem Symbol unserer eigenen Persönlichkeit beziehen? Unseren Narzissmus leben?